ZVS Exkursion - Ein Reiterhof nicht nur für Pferde

Zwischen 40 und 50 TeilnehmerInnen fanden sich am Samstagnachmittag, den 10. März 2012 in Aeugst am Albis ein. Zur ZVS-Exkursion lud der NVBA auf dem Reiterhof Gautschi in der Schürmatt. Das Wetter zeigte sich dabei von seiner sonnigen Seite, wobei die Temperaturen der vergangenen kalten Wochen noch nicht ganz vergessen waren. Wie der Exkursionstitel bereits erahnen lässt, standen für einmal nicht die Pferde im Vordergrund, sondern die verschiedenen naturnahen Aufwertungen und Projekte, welche bei der Neugestaltung des Reiterhofs umgesetzt wurden.

 


HeckeNistkastentypenEinheimische Krebsarten

Fotos: A. Duss


 

Köbi Moser begrüsste zum Einstieg, orientierte über den Exkursionsablauf und stellte den Reiterhof und seine Geschichte vor. Der Reiterhof, der NVBA berichtete bereits in der Brachvogelausgabe vom Mai 2011 darüber, wurde nach der Übernahme durch Peter Gautschi im Jahr 2009 umfassend umgebaut. Durch Beratungen von Fachleuten seitens des Natur- und Vogelschutzes, konnten die Landschaft sowie der Lebensraum für verschiedene Tierarten und Tiergruppen aufgewertet werden. Bei der Beratung und den Aufwertungen wirkte unter anderem auch Esther Rieder mit. Sie war daher auch an diesem Samstag wieder mit einer Menge an Informationen und Anschauungsbeispielen beteiligt und leitete je die Hälfte der TeilnehmerInnen zum Schwerpunktthema Zugvögel und Nisthilfen.

Esther Rieder informierte über bestehende, artenreiche Strauch- und Baumhecken, welche im nahen Umkreis des Reiterhofs vorhanden sind. Dabei überzeugte aus dem Geäst auch bereits die erste Goldammer mit ihrem Gesang. Wichtig für solche Hecken, speziell auch als Nahrungsgrundlage für zahlreiche Vogelarten und Reptilien, aber auch für die erfolgreiche Fortpflanzung zahlreicher Tagfalterarten, sind ein extensiv genutztes Umland und/oder angrenzende Krautsäume, wie die TeilnehmerInnen erfahren durften. Viele Tagfalterarten sind zudem auf Gehölze als Nektar- oder Raupenfutterpflanzen angewiesen. Entsprechend wurden im Areal auch noch zahlreiche neue Hecken gepflanzt.

Spezielles Augenmerk rund um den Hof gilt den Langstreckenzieher unter den Zugvögeln. Artspezifische Nistkästen sollen vermehrt wieder Trauerschnäpper , Grauschnäpper und Gartenrotschwanz zur erfolgreichen Brut verhelfen. Wie Esther Rieder bekannt gab, war in der letzten Saison auch bereits wieder ein Wendehals vor Ort. Die wärmeliebende, zu den Spechten gehörende Art ist mittlerweile ein seltener Brutvogel in der Schweiz. Auf der roten Liste wird er als potenziell gefährdet eingestuft. Als einziger einheimischer Vertreter der Spechte ist er kein Standvogel, sondern wie bereits angesprochen ein Langstreckenzieher, mit Winterquarteier vorwiegend in der Sahelzone. Zudem zimmert er keine eigene Bruthöhle, sondern übernimmt vorhandene Bruthöhlen, unter anderem auch künstliche Nistkästen.

Ein weiterer Teil der Exkursion wurde durch Rolf Schatz geleitet. Er ist Verantwortlicher für Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit bei der IG „Dä Neu Fischer“, einer Interessengemeinschaft für nachhaltige Fischerei (www.igfischerei.ch).

Rolf Schatz informierte über das Regenwasserretentionsbecken, welches aufgrund baulicher Auflagen für den Bau mit eingeplant werden musste. Dabei kam bei der Planung die Idee, anstelle eines „Beckens“ einen naturnahen und mustergültigen Teich zu erstellen. Letzterer wurde mit einer Fläche von ca. 4000m2 entsprechend realisiert und ist bereits heute Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Unter anderem wurden verschiedene Karpfenfische wie zum Beispiel Rotaugen, Rotfedern und der Bitterling ausgesetzt. Dazu Teichmuscheln und der heimische Edelkrebs.

Ziel wird es in Zukunft sein, Teichmuscheln und Edelkrebse wieder vermehrt in den regionalen Gewässern anzusiedeln, wo sie mittlerweile zur Rarität geworden sind. Die einheimischen Krebsarten sind unter anderem durch die Krebspest bedroht, welche durch fremdländische Krebsarten eingeschleppt wurde.

Des Weiteren bedrohen jedoch auch Veränderungen in der Gewässerqualität die Lebensräume von Teichmuschel, Edelkrebs und zahlreichen anderen Wasserlebewesen. Nährstoffeinträge durch Landwirtschaft und Industrie führen zur Veralgung der Gewässer. Pestizide können ganze Bachabschnitte abtöten. Dazu kommen hormonaktive Stoffe, welche die Fortpflanzungsfähigkeit der Tiere beeinträchtigen können. Weiter problematisch sind z.B. fehlende Laichplätze (Kiesbänke), welche durch wegfallenden Geschiebetransport aufgrund von Wasserkraftwerken verursacht werden, wie Rolf Schatz erklärte. Einfluss auf Hochwasserereignisse hat zudem die steigende Versiegelung (Überbauung) der natürlichen Oberflächen, welche zu immer höheren Hochwasserspitzen führt und z.B. Krebse in ihrer Lebensweise bedroht.

Rolf Schatz informierte zudem über die die Vermehrung der Teichmuscheln, welche sich als etwas komplexer herausstellt und im frisch angelegten Teich angestrebt wird. Jene funktioniert nur mit geeigneten Wirtsfischen, bevorzugt wird der Bitterling. Dabei nehmen die Teichmuscheln die Eier der Bitterlinge auf, wo sie geschützt das Embryonalstadium durchlaufen und nach ca. vier Wochen die Muschel verlassen. Im Gegenzug heften sich sogenannte Glochidien an die Kiemen der Bitterlinge. Ohne dem Bitterling Schaden anzurichten vermehrt und verbreitet sich die Teichmuschel somit in den Gewässern. Entsprechend sind Bitterling und Teichmuschel für eine erfolgreiche Vermehrung voneinander abhängig.

Nach den spannenden Rundgängen und somit zum Abschluss der Exkursion bestand für alle die Möglichkeit, sich mit Speis und Trank zu verköstigen. Alois und Hanni Zemp managten dabei das Buffet und den Grill unter Mithilfe von Theresa Sieber in gewohnter Routine. Diesbezüglich ein herzliches Dankeschön! Ein weiteres Dankeschön gilt den engagierten ReferentInnen, Esther Rieder und Rolf Schatz, für die lehrreichen Informationen sowie Herrn Gautschi für das Gastrecht auf dem Reiterhof.

Den Abschluss mit dankenden Worten übernahm wiederum Köbi Moser. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön zurück an ihn, für die gelungene Organisation der Exkursion! (RT)

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