Exkursion vom 5. Mai

Am 5. Mai hat Esther Rieder in Aeugst eine Früh-Exkursion organisiert. Das Wetter spielte leider nicht wunschgemäss mit. Trotzdem lernten die Teilnehmenden einige typische Arten kennen und kamen in den Genuss von schönen Beobachtungen.

 


Trueber MorgenUnterwegsBaerlauch in voller BlueteDer Hof Linden

Die ExkursionsleitendenKaffee und frische Broetchen

Fotos: mo


 

Samstagmorgen, 5.30 Uhr: Leichter Regen und tief hängende Wolken motivieren nicht unbedingt zum Besuch einer ornithologischen Exkursion. Dennoch mache ich mich auf den Weg in Richtung Aeugst. Auf der Fahrt nimmt der Regen eher noch zu, es wird nur langsam Tag. Am Treffpunkt auf dem Parkplatz an der Wängistrasse stehen schon rund ein Dutzend Leute, sowie Esther Rieder, welche diese Exkursion organisiert hat mit den beiden Exkursionsleitern Roli Füllemann und Dani Stark.

Obwohl es weiter regnet, ziehen wir los in Richtung Vollenweid, zuerst über das Feld und dann dem Waldrand entlang. Man sagt, es sei kein geeignetes Exkursionswetter, wenn es regnet und windet. Tatsächlich sind die Vögel eher diskret, aber dank den Exkursionsleitern, mit ihren Illustrationen und den Hinweisen auf die Rufe und Gesänge der Vögel, können wir bald die Rufe von Amsel, Kohlmeise und Buchfink auseinander halten und einzelne Vögel auch sehen. Am Waldrand und im Waldesinneren kommen dann noch Drossel und Mönchsgrasmücke dazu. Es hat auch Vorteile, wenn nicht alle Arten gleichzeitig rufen und zwitschern. Man kann sie dann umso besser auseinanderhalten. Die Rabenkrähe auf dem Feld kennen die meisten und auch ihr Ruf ist bekannt. Das Rotkehlchen, das im Unterholz des Waldes ruft, ist schon schwieriger zu entdecken. Weiter geht es, dem Waldrand entlang und wir können Zilpzalp und Ringeltaube hören. Über dem Feld kreist ein Rotmilan und ein Mäusebussard wird mit lautem Geschrei von den Rabenkrähen angegriffen.

Am Wegrand sind immer wieder kleine weisse Schilder gesteckt. Sie weisen auf Pflanzennamen hin, welche hier wachsen: Vogelmiere, Ackerehrenpreis, Zaunwicke, Aronstab, Bärlauch, Gewöhnliches- und Kletten- Labkraut, Rote Lichtnelke, Taubnessel. Esther Rieder zeigt mit diesen Tafeln an, dass auch am Wegrand viel zu entdecken ist. Inzwischen hat der Regen etwas nachgelassen und wir gehen einer Hecke entlang. Hier ist das typische Lied der Goldammer zu hören. Sie sitzt zwar unsichtbar für uns, aber sie singt von ihrer Warte aus sehr ausdauernd, so dass wir genügend Gelegenheit haben, uns ihren Gesang zu merken. Der Kormoran, der uns überfliegt, ist wohl gerade auf dem Weg zum Frühstück am Türlersee. Aus dem Unterholz meldet sich der Vogel des Jahres 2012, der Zaunkönig. Unglaublich, dass der kleine Kerl einen Schalldruck von 100 Dezibel erzeugen kann! Fast unglaublich ist auch die Geschichte einer Exkursionsteilnehmerin aus Aeugst, welche berichtet, dass ein Zaunkönig auf ihrem Schmuckkranz an der Haustüre ein Nest gebaut hat.

Im Wald können wir die Singdrossel hören, welche ihre Singstrofe immer zwei bis dreimal wiederholt. Wir wenden uns dem Hof Linden zu. Dort warten noch weitere Vogelarten auf uns: Der Hausrotschwanz meldet sich vom Dachgiebel, die Hausspatzen tschilpen um die Wette und tief über den Wiesen fliegen Rauchschwalben auf Futtersuche. In der Scheune der Familie Grüter leben neben den Rauchschwalben auch Schleiereulen und Herr Grüter berichtet, dass er diese jeweils beobachten kann, wenn er später am Abend heimkehrt. In der Scheune wurde ein Schleiereulenkasten eingebaut und offenbar dankbar von den Mäusevertilgern angenommen. Dann taucht noch kurz eine Bachstelze auf.

Langsam machen wir uns auf den Rückweg und erleben das Eindrücklichste dieser Exkursion. Ein Turmfalkenpaar findet offenbar dieses Wetter auch nicht gerade animierend zum Mäuse jagen und sitzt vor ihrem Kasten hoch am Giebel des Nachbarhauses. Vorsichtig bringen die Exkursionsleiter ihre Fernrohre in Stellung und nun haben die Teilnehmenden ausgiebig Gelegenheit, die beiden Greifvögel zu bestaunen. Es ist eindrücklich, wenn man die Tiere sehen kann, zum Greifen nah. So können die Unterschiede der beiden Geschlechter erkannt und beschrieben werden. Das Männchen ist etwas kleiner als das Weibchen und hat einen grauen Kopf. Die Freude ist allerdings von kurzer Dauer, denn die Falken fühlen sich bald gestört und fliegen weg. Wir ziehen weiter und kurz darauf nehmen die beiden wieder den Platz vor dem Turmfalkenkasten ein.

Der Hecke entlang beobachten wir noch Feldspatzen, Blaumeisen, Elstern und wieder eine Goldammer, diesmal wunderschön mit ihrem kanariengelben Federkleid. Über den Sunnenrain und die Hübscherenstrasse kehren wir wieder zum Ausgangspunkt der Exkursion zurück. Es regnet weiter, das Wasser dringt langsam in die Kleider und die Finger werden klamm. Da werden wir überrascht von Kaffee und Brötli, serviert aus dem Kofferraum von Esthers Auto. Das tut gut, jetzt einen warmen Kaffee mit frischem Brötchen in den Bauch zu kriegen. Super! Die Exkursionsleiter verabschieden sich mit einer kurzen Erfolgskontrolle: Wer kann jetzt Amsel, Buchfink, Kohlmeise, Krähe und Mönchsgrasmücke benennen und wer kennt ihren Ruf oder Gesang? Nach zwei Stunden Schauen und Hören dürfte das den meisten leicht fallen. Roli Füllemann wollte ursprünglich noch früher starten und fragt die Teilnehmenden konsultativ, wer auch schon um 5 Uhr bereit gewesen wäre. Eigentlich überraschend bei diesem Wetter: Die grosse Mehrheit wäre auch eine Stunde früher gekommen.

Fazit: Exkursionen finden bei jedem Wetter statt und man kann immer etwas sehen und hören. Und das Wetter kann an diesem Samstag nur besser werden. Herzlichen Dank an Esther für die Organisation und den beiden Exkursionsleitern für ihre Führung. mo

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