Thurauen, das Ziel unserer Vereinsreise

Das Revitalisierungsprojekt Thurauen ist ein Vorzeigeobjekt des Kantons Zürich. Der Fluss, der im Norden des Kantons in den Rhein mündet, wurde bereits im 19.Jahrhundert «gezähmt». Der Redaktor kann sich noch gut ans Jahr 1965 erinnern, als im Juni die ganze Thurebene zwischen Uesslingen und Gütighausen unter Wasser stand. Seither gab es weitere Hochwasser, was mit ein Grund war, dem Fluss mehr Raum zu geben, damit die Schäden bei Hochwasser reduziert werden können.

 


Blick in Fliessrichtung der ThurKiesinseln, welche die Thur mit dem letzten Hochwasser aufgeschuettet hat
Mit dem Erlebnispfad koennen Interessierte vertiefte Einblicke ins Auengebiet gewinnenAuenprojekt Thur nach der ersten Ausbauetappe

Fotos: Alle Bilder dieses Beitrages sind vom Naturzentrum Thurauen zur Verfügung gestellt.


 

Geschichte des Projektes
Im Projekt «Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung» werden, wie der Name sagt, zwei Hauptziele verfolgt. Man will die Umgebung des Flusses vor Hochwassern schützen und gleichzeitig einen Lebensraum schaffen, der dem Fluss Raum lässt, damit er in seiner Dynamik die Lebensräume gestalten kann. Im Projekt wurden die Gemeinden Flaach, Marthalen und Andelfingen, Kantone Zürich und Schaffhausen, die Naturschutzorganisationen ZVS/Birdlife Zürich und Pro Natura, Rheinaubund, Kraftwerkvertreter und weitere Interessenvertreter eingebunden. Das ganze Projekt wurde unter der Führung des AWEL Kanton Zürich geplant und ausgeführt. Im August 2011 war die erste Etappe fertig und das Naturzentrum Thurauen wurde eröffnet. 2013 bis 2020 ist die zweite Ausbauetappe geplant.

Die ausgeführten Massnahmen
Innerhalb einer Linie, die ca 250 m links und rechts des bisherigen Flusslaufes liegt, wurden die Längsverbauungen entfernt. Innerhalb dieser «Beurteilungslinie» kann sich der Fluss frei entfalten und seine eigene Dynamik entwickeln. Man will damit erreichen, dass immer wieder neu Altwässer, Prallhänge, kleinere und grössere Stillgewässer, Sand- und Kiesinseln entstehen. Halbmondförmig ausgebaggerte Initialisierungsflächen sollen diesen Prozess beschleunigen. Im Naturwaldreservat beidseits des Flusses wird auf jegliche Eingriffe verzichtet. Diese Fläche umfasst ca. 25 ha. In angrenzenden, höher gelegenen Wäldern wurde stark ausgelichtet. Zielarten sind hier Orchideenbestände, die in lichten Wäldern gedeihen. Hier werden Eingriffe wie mähen und entbuschen periodisch nötig sein. Im Auengebiet selber wurde der Oberboden auf ehemaligem Kulturland abgetragen, um die Standorte auszumagern. Ausserhalb der Dämme wurde das Kulturland aufgewertet, indem das Aushubmaterial aus dem Auengebiet hier aufgeschüttet wurde, so dass sich das Terrain um ca 30cm anhob. Das war ein sehr aufwändiger Prozess, musste der hier abgelagerte Boden doch zuerst sorgfältig gesiebt werden, um Wurzelstöcke von invasiven Arten wie dem Japanischen Staudenknöterich zu entfernen. Die Aussendämme wurden zum Hochwasserschutz erhöht. Grundwasser und Wasser, das ins Kulturland sickert, wenn der Fluss Hochwasser führt, wird gesammelt und via Pumpwerk dem Rhein zugeführt.

Was verspricht man sich davon?
Der vielfältige und dynamische Lebensraum wird vielen seltenen Arten günstige Lebensbedingungen bieten. Als Beispiel sei der Springfrosch erwähnt, welcher sonst nur im nahen Kanton Schaffhausen vorkommt. Weiter erwartet man, dass der Biber massgeblich gestalterisch aktiv werden wird. Bereits heute sind sechs von acht Schweizer Spechtarten im Gebiet anzutreffen. Man erwartet, dass sich der Eisvogel bald ansiedelt, der Flussregenpfeifer hat 2011 schon erfolgreich gebrütet und Kuckuck, Pirol und Turteltaube sind beobachtet worden. An Amphibien sind Laub- und Springfrosch sowie Kamm- und Teichmolch zu erwarten. Die Frage ist, ob der Fischadler zurückkehrt, der 1915 in Ellikon zum letzten Mal brütete. Das wird wohl eher schwierig, wird das Gebiet doch ziemlich intensiv begangen. Aber vielleicht lässt sich der Storch nieder.

Was für die Menschen getan wird
Durch die Eröffnung des Zentrums Thurauen ist die Zahl der Besucher stark angestiegen. Im Projekt war schon immer vorgesehen, Massnahmen zur Besucherlenkung durchzuführen. Es gibt einen Erlebnisweg, eine Aussichtsplattform, einen neuen Wanderweg mit Informationstafeln und natürlich das Naturzentrum mit Infrastruktur wie Wechselausstellungen, Verpflegungsmöglichkeit und Badi. Für den Flussregenpfeifer zum Beispiel ist zu viel Besucherbetrieb ungünstig. Deshalb gibt es Bereiche, in denen ein Betretverbot herrscht. Dies wird durchgesetzt mit Hilfe von drei angestellten Rangern, die die Aufgabe haben, Verhaltensregeln zu vermitteln und den Besuchern Auskünfte zu geben.

Zusammenfassung aus ORNIS 3/2012/mo

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