Vereinsausflug in die Thurauen

Am 1.September, zum Herbstanfang, reiste eine Gruppe von NVBA Mitgliedern ins Zürcher Weinland, um das grösste Auengebiet des Schweizer Mittellandes unter kundiger Führung zu besichtigen.
 


Aufmerksame ZuhoererInnenDie ThurEin Altarm der ThurWas wurde gesammelt?

RatespielPfuetzenThurbruecke EllikonWarten aufs Postauto

Fotos: mo



Der Herbstanfang war heftig. Eine Kaltfront hatte den sommerlich heissen Ausgust überfahren und es regnete infolge dessen ziemlich grosse Mengen. Dennoch trafen wir uns, die erste Gruppe am Bahnhof Mettmenstetten, gut gerüstet mit Regenschutz und Regenschirm. In Affoltern stiegen dann die Teilnehmenden aus Obfelden und Affoltern zu und in Zürich war die Gruppe von 14 Leuten komplett. Wir reisten mit der S5 ins Rafzerfeld, von wo uns das Postauto weiter bis nach Flaach transportierte. Eine schöne Fahrt, mit vielen schönen Ausblicken, insbesondere von Buchberg, doch die Landschaft zeigte sich nass und wolkenverhangen. Aber das tat der Stimmung keinen Abbruch.

Wir wurden vom Extrabus abgeholt und zur Ellikerbrücke gebracht. Dort warteten noch ein paar Kinder mit ihren Müttern. Sie waren per Auto angereist. Die Führerin, Frau Zajec, war auch schon bereit. Nach der Begrüssung konnte der Rundgang losgehen. Wir wanderten nördlich der inzwischen ziemlich Hochwasser führenden Thur in Richtung Ellikon durch den Wald. Frau Zajec berichtete über die Geschichte dieses Gebietes, welches im vorletzten Jahrhundert die Thurdämme brachte, weil die Menschen im Gebiet es leid waren, ständig wieder mit Hochwassern konfrontiert zu sein. Der Thurlauf wurde also begradigt, damit das Wasser nach Regenfällen oder in der Schneeschmelze schneller abfliessen würde. Das ging soweit gut, aber auf Kosten des Auenwaldgebietes, welches ausserhalb der Hochwasserdämme in Kulturland umgewandelt wurde.

Nach weiteren verheerenden Überschwemmungen der Thur im 20.Jahrhundert gelangte man zur Einsicht, dass die Thur mehr Raum haben müsste, damit der Hochwasserschutz verbessert werden konnte. So begann vor 20 Jahren die Planung des Projektes mit Einbezug aller Beteiligten: Kanton, Landwirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz und Bund. Die Projektierung brauchte sehr viel Zeit, weil die verschiedenen Interessengruppen bei der Suche nach Lösungen immer wieder um Kompromisse ringen mussten.

Heute stehen wir in einem grossen Gebiet, wo die Thur innerhalb erweiterter Grenzen freie Bahn hat und ihre Dynamik entwickeln kann. Dieser Fluss ist deshalb besonders dynamisch, weil die Abflussspitzen nach Wetterereignissen im Quellgebiet am Säntis sehr hoch und relativ schnell eintreten. So werden bei Andelfingen im Schnitt 43m3/ sec Abflussmenge gemessen. Das kann innert Stunden auf über 1000m3/ sec anschwellen. Der Rhein ist in dieser Beziehung viel zahmer. Weil der Bodensee und die Staustufen von Schaffhausen und Rheinau als Regulierung wirken, sind hier die Schwankungen viel kleiner. Die Thur kann bei Hochwasser die Abflussmenge des Rheins übertreffen und diesen zurückstauen. Das Ellikerfeld soll dann begrenzt überschwemmt werden können, was weitere Biotope und Beobachtungsmöglichkeiten ergibt.

Auf dem Rundgang berichtet Frau Zajec über Altläufe, die heute noch trocken liegen, bis auf einige Tümpel. Vorgesehen ist aber, dass die Thur hier Freiraum hat, um dieses Gebiet zu überschwemmen. Hier in dieser Schneise wird auch der Wald zurückgehalten. Das führt zu erhöhter Besonnung und zur Entwicklung von Nischen, die besonders für Schmetterlinge attraktiv sind. Die Tümpel sind schon ganz hübsch eingewachsen, die Führerin zeigt Bilder aus der Bauphase zum Vergleich. In einem Tümpel können wir Frösche beobachten. Sie verhalten sich heute unauffällig ruhig. Ihnen passt wohl auch das feuchtkalte Wetter nicht so recht. Dann folgen wir einem Waldreservat, das eine Hartholzaue darstellt. Hier finden sich Eschen, Eichen und andere Laubbäume. Übrigens wundervoll alte, knorrige Eichen, welche jede für sich ein einzigartiges Biotop darstellen. Auch der riesige Dachsbau, dessen Auswurfhügel den sandigen Untergrund zeigen, ist eine Attraktion. Den einen gelingt sogar die Sichtung eines Dachses.

Dann erreichen wir das Rheinufer und besteigen die Beobachtungsplattform, die auf einem ehemaligen Bunker der Grenzbefestigung montiert ist. Von hier aus überblicken wir den Rhein und die Thurmündung. Hunderte von Schwalben jagen über der weiten Wasseroberfläche. Das Bild ist fast mystisch: Die Regenwolken hängen tief und die Bäume am Ufer des Flusses reichen mit ihren Ästen fast ins Wasser. Unter den Schwalben entdecken die Experten drei Arten: Rauch- Mehl- und Uferschwalbe. Dann geht’s zurück in den Wald, wo unsere Führerin ein Ratespiel mit Pflanzen durchführt. Die Kinder geniessen das Wetter, indem sie in den Pfützen herumspringen und sich gegenseitig bespritzen. Wieder giesst es zwischenhinein in Strömen. An einem Altlauf der Thur sehen wir einen umgestürzten Baum, der die Aktivität der Biber im Gebiet anzeigt. Es soll hier zwei Biberburgen geben.

Nun nähern wir uns der hochgehenden Thur. Es sind keine Kies- oder Sandbänke zu sehen, der hochgehende Fluss schleppt Treibgut vorbei und hat viel Zug. Neben einigen Schlauchbootfahrern sehen wir Stockenten, Gänsesäger, Kormorane und Graureiher. Die Kormorane sind im Altlauf am Fischen. Dann fliegen mit typischem Ruf drei Flussuferläufer davon. Die Führerin mahnt zur Eile, denn der Bus wartet. Die zwei Stunden sind wie im Flug vorbei. Nun zeigt sich auch noch ein Seidenreiher. Er fliegt in naher Distanz majestätisch vorbei. Als wir in die Nähe der Ellikerbrücke kommen, sehen wir den Bus davonfahren. Die Führung findet ihren Abschluss am Ausgangspunkt. Von dort werden die Teilnehmenden zum Zentrum Thurauen gefahren, wo das Mittagessen wartet. Durch die Panne mit dem Bus dauert das etwas länger, aber um 13.15Uhr sitzen alle im Restaurant beim Mittagessen. Wir geniessen es, unter Dach am Trockenen etwas warmes zu uns zu nehmen.

Nach dem Essen bleibt noch etwas Zeit, um die Ausstellung und die Umgebung des Naturzentrums zu erkunden. Um halb vier besteigen wir in der Ziegelhütte das Postauto Richtung Winterthur. Die Hoffnung, dass es etwas heller wird, erfüllt sich leider nicht. Aber auch so hat die von Landwirtschaft geprägte Gegend ihren Reiz. In Winterthur geht’s gleich weiter mit der S12. Nach dem Umsteigen in Stadelhofen kommen wir kurz vor halb sechs in Affoltern an, wo die ersten Reiseteilnehmer sich verabschieden. Die Mettmenstetter, Maschwander und Oberämtler Teilnehmer reisen dann mit der S9 nach Mettmenstetten weiter, wo der Vereinsausflug 2012 zu Ende geht. Ein interessanter Tag ist vorbei. Neben den naturschützerischen Eindrücken gab es auch viele interessante Gespräche und der Gedankenaustausch tut immer wieder gut.

Additional information