Glück im Unglück

Der Brand in der Nacht vom 25. auf den 26. August 2009 an der Zürichstrasse in Affoltern a.A. war für die Spyren und ihre Betreuer ein einschneidendes Ereignis. Glück hatten die Spyren selbst in zweierlei Hinsicht. Einerseits brannte es, als sie schon längst über alle Berge, sprich auf dem Zug in ihr Winterquartier im südlichen Afrika waren. Andererseits haben sie Glück, dass bereits ein Ersatzstandort für die heil gebliebenen Nisthilfen gefunden werden konnte. Weiterhin gesucht sind Leute, welche sich für die Beobachtung und Betreuung der Spyrenkolonien in Affoltern a.A. zur Verfügung stellen.
 


Brand SpyrenbarBrand SpyrenbarBrand SpyrenbarBrand Spyrenbar

 Fotos: A. Zemp


 

Wenige Tage vor dem geplanten Beginn der Renovation der Liegenschaft Zürichstrasse 78/82 mit der populären Spyrebar im Erdgeschoss, brach am späten Abend des 25. August 2009 im Dachstock des Hauses Zürichstrasse 78 ein verheerender Brand aus. Dabei wurden auch einige Mauerseglerkästen ein Raub der Flammen. Die meisten wurden jedoch nur verrusst. Glück im Unglück war bei diesem Brand der Zeitpunkt. Da alle Mauersegler an diesem Standort anfangs August ausgeflogen waren, wurden keine toten Vögel gefunden. Bereits vor der Brutsaison wurden zwei Kästen im Hinblick auf die bevorstehende Renovation entfernt und an der gegenüberliegenden Liegenschaft Zürichstrasse 77, Insidern besser bekannt als das Haus zur Tanne, an einer Ecke montiert. Diese beiden Kästen wären sicher vernichtet worden, da sie sich genau im Bereich des Brandherdes befanden. Beide Kästen wurden umgehend benutzt und bebrütet.

Die vom Brand betroffene Liegenschaft beherbergte 33 Nistgelegenheiten, die als Ersatz für die ebenfalls ausgebrannte Seidenweberei Näf geschaffen wurden. Damals, anfangs Juli 1993, kamen weit über 100 Jung- und auch einige Altvögel ums Leben. Die Brutperiode war zum Zeitpunkt des Unglücks noch in vollem Gange.

Die Ersatzstätte an der Zürichstrasse 78/82 erwies sich als absoluter Glücksfall, war sie doch Jahr für Jahr meist vollständig besetzt und war die erfolgreichste Kolonie. Nachdem die Renovationspläne bekannt wurden, fanden mit der Bauherrschaft, Herr Kurt Schneebeli, mehrere Gespräche statt. Äusserst erfreulich war, dass er sofort Hand zu einer Ersatzlösung bot. Die alten Standorte werden im Zuge der Renovation in den Originalzustand mit Malerein zurückversetzt. Das Haus steht unter Denkmalschutz und so war die Weiterführung unserer Kolonie an den Dachuntersichten nicht mehr möglich. Es bot sich Gelegenheit, in der rückwärtigen Wand der Dachterrasse, eine verdichtete Kolonie aufzubauen. Nachdem dieses Modell anlässlich einer Vereinsreise in Murten besichtigt wurde, hat man sich für dieses Vorgehen entschlossen. Diese Art wird scheinbar gut akzeptiert, so dass auch hier diese Bauweise angewendet wird.

Nachdem anlässlich der GV 2009 ein Kredit zur Beschaffung von 40 Spezialkästen der Firma Schwegler gutgeheissen wurde, liessen wir diese Kästen bei der besagten Firma nach unseren Vorgaben herstellen. Diese wurden vor wenigen Wochen geliefert und sind zum Einbauen bereit. Durch den Brand gibt es jedoch eine Verzögerung. Bedingt durch vorher nicht bekannte Vorgaben, lassen sich jetzt nur 24 Kästen einbauen. Diese werden in zwei Blöcken mit je drei Kästen neben- und 4 Kästen übereinander in die Wand eingebaut. Alle Kästen sind gut zugänglich und können kontrolliert werden. Die Vogelwarte Sempach freut sich bereits heute auf diese gesicherten Daten. In einem Block wird ein doppelstöckiger Kasten placiert, der eine Webcam aufnehmen kann. Die Infrastruktur für die Leitungen usw. wird anlässlich der Renovation bereits eingebaut. Vorgesehen ist eine Übertragung von Live Bildern in die Spyrebar. Als weiterer Schritt könnten die Bilder auch ins Internet auf der Homepage des NVBA gestellt werden. Aus diesem Grund suchen wir einen oder mehrere Spezialisten, wenn möglich aus dem Kreis unserer Vereinsmitglieder, die sich in dieser Materie auskennen und eine Webcam mit der erforderlichen Infrastruktur installieren, betreiben und warten können. Es werden auch Sponsoren für die Webcam gesucht, da nur ein gutes Produkt einwandfreie Bilder gewährleistet.

Als weiterer Glücksfall entpuppte sich die Anfrage bei Herrn Syfrig, dem Besitzer der eingangs erwähnten Liegenschaft Zürichstrasse 77. Auf den Hinweis und Vorsondierungen durch Esther Rieder fanden Gespräche statt, die ebenfalls auf ein positives Echo stiessen. So wurden am brandgeschädigten Haus Zürichstrasse 78/82 nach der Brandnacht mit der Drehleiter der Feuerwehr die Kästen auf der Seite Zürichstrasse demontiert. Nachdem das Gerüst aufgestellt wurde, wurden die verbliebenen Kästen an der Jonentalstrasse abmontiert. Alle wurden durch Walter Nyffenegger renoviert und umgebaut. So mussten alle Löcher auf der Stirnseite verschlossen und auf der Längsseite ausgebohrt werden. Sie bekamen auch einen neuen Anstrich, der im Farbton der Liegenschaft gehalten wurde. Am 24. Oktober 2009 wurden von Walter Nyffenegger mit einem Bekannten, der die Hebebühne bediente, zusätzlich 23 Kästen montiert, so dass nun total 25 Nisthilfen an den Dachuntersichten ab der Brutsaison 2010 zur Verfügung stehen.

In diesem Zusammenhang danken wir bereits heute für das wohlwollende Ansinnen der beiden Besitzerfamilien recht herzlich für das Gastrecht, das unsere Mauersegler geniessen dürfen. Wir hoffen, dass die Arbeiten an der brandgeschädigten Liegenschaft bis zur Brutsaison 2010 abgeschlossen sind. Es bleibt ja immerhin noch ein halbes Jahr.

 Mit diesen Informationen hoffen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser dieser Lektüre, über den Stand des Projektes informiert zu haben. Es ist uns ein Anliegen dies zu veröffentlichen, da bereits besorgte Anfragen über den weiteren Fortbestand dieser erfolgreichen Seglerkolonie eingegangen sind.

Sollten sich Leserinnen und Leser für die Aufgabe der Webcam- und Internetbetreuung angesprochen fühlen, melden sie sich bitte bei Roland Füllemann, Telefon 044 761 96 31.

Für Affoltern a.A. werden weiterhin Personen gesucht, die während der Brutsaison von etwa Mitte Mai bis anfangs August einen oder mehrere Seglerstandorte beobachten und rapportieren könnten. Momentan teilen sich drei Personen diese Aufgabe. Wenn sich weitere dazu entschliessen könnten, trägt dies stark zu einer Entlastung bei. Interessierte Leute melden sich bitte bei Roland Füllemann. Herzlichen Dank für alle Angebote.

R. Füllemann

 

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