Das heimliche Leben der Fledermaus, mit Lea Morf

Gut 30 Personen fanden sich am 1. Juni kurz nach 20 Uhr im Vereinslokal des NVBA’s ein. Im Interesse standen an diesem «Letzten Freitag» die Fledermäuse, heimliche Luftakrobaten mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten. Köbi Moser durfte zu diesem Anlass Lea Morf begrüssen. Lea ist kantonale Fledermausschutzbeauftragte und bestens mit den Fledermäusen betraut. Entsprechend führte sie uns am Abend in die Geheimnisse der Fledermauswelt ein.

 


Besucherinnen und Besucher freuen sich auf den Vortrag von Lea Morf
Marsch zum Zwillikerweiher
Abendstimmung ueber ZwillikonBraunes Langohr im Quartier

Fotos: RT



Fledermäuse stellen die grösste Ordnung innerhalb der Säugetiere der Schweiz. Gesamtschweizerisch mit 30 Arten vertreten, sind im Kanton Zürich 17 Fledermausarten heimisch, wie Lea Morf erläuterte. Im Kanton Zürich leider ausgestorben ist die grosse Hufeisennase, welche nur noch in wenigen Regionen der Schweiz anzutreffen ist. Gelitten hat diese Art vor allem durch den Verlust von geeigneten Dachstöcken als Lebensraum sowie durch die Intensivierung der Landwirtschaft. Regionale Vertreter unter den Fledermausarten sind z.B. der Grosse Abendsegler, das Grosse Mausohr, das Braune Langohr, die Zwergfledermaus sowie die Wasserfledermaus.

Fledermäuse sind Flugakrobaten mit einer stark durchbluteten Flughaut. Letztere befähigt sie zum aktiven Fliegen, was einer Einzigartigkeit unter den heimischen Säugetieren gleich kommt. Speziell ist auch die Orientierung der Fledermäuse, welche mit Schwerpunkt über die Echoortung funktioniert. Dabei werden Ultraschallwellen ausgestossen, welche durch vorhandene Objekte zurückgeworfen werden. Mit ihrem ausgeprägten Gehörsinn nehmen die Fledermäuse die reflektierenden Ultraschallwellen wieder entgegen. Danach verarbeitet das Gehirn die aufgenommenen Informationen und bringt jene in die richtige Reihenfolge. Durch die Zeitunterschiede der verschiedenen Echos entsteht ein räumliches Bild, welches die Fledermäuse entsprechend zur Orientierung nutzen.

Die Schallwellen der heimischen Fledermäuse werden mit Frequenzen von etwa 15 bis 115kHz ausgestossen. Dies mit einer Lautstärke von bis über 100Dezibel, was einem Presslufthammer nahe kommt! Da der Mensch normalerweise nur Frequenzen bis knapp 20kHz wahrnehmen kann, ist der «Lärm» in der Luft für uns nicht bzw. nur sehr selten zu hören. Die Reichweite der Schallwellen beträgt meist weniger als 20Meter, im Maximum 50–60Meter. Fledermäuse haben verschiedene Jagdstrategien, vom Boden bis in grössere Höhen. So jagt der grosse Abendsegler meist über den Baumwipfeln, die Wasserfledermaus flach über Gewässern und das grosse Mausohr krabbelt zur Beuteaufnahme auch kurz auf dem Boden. Auf der Speisekarte stehen vor allem Insekten, je nach Fledermausart mit anderer Präferenz. Bei den Wasserfledermäusen wurde diesbezüglich nachgewiesen, dass sie in einer guten Sommernacht bis 3000 Insekten verschlingen!

Abschliessend zum Theorieblock ging Lea Morf auf den Jahreszyklus und die Fortpflanzung der Fledermäuse ein. Die Paarung findet zum grössten Teil im Herbst statt, wobei die männlichen Tiere die fortpflanzungswilligen weiblichen Tiere mit sogenannten Balzrufen anlocken. Den Samen können die Weibchen über den ganzen Winter speichern! Dies befähigt sie, den Zeitpunkt der Befruchtung, je nach Abhängigkeit der Aussenbedingungen, soweit selber zu steuern. Auch in den Zwischenphasen des Winterschlafes, kann es gelegentlich noch zu Paarungen der Fledermäuse kommen. Nach Beendigung des Winterschlafs (März bis April) fliegen die Männchen in sogenannte Tagesquartiere, welche als Ausgang für die nächtlichen Jagdzüge dienen. Die Weibchen hingegen begeben sich nach dem Winter in die Wochenstuben. Diese befinden sich z.B. in Wandverschalungen von Fassaden oder in Dachböden. In diesen Wochenstuben werden nach der Tragzeit die Jungen geboren und gemeinsam aufgezogen. Pro adultem Tier kommt meistens nur ein Junges zur Welt!

Nach dem theoretischen Teil mit viel Anschauungsmaterial folgte nun der praktische Teil im Freien. Nach kurzer Instruktion durch Köbi Moser begab man sich zu Fuss an den Zwillikerweiher. Ausgerüstet mit Fledermausdetektoren konnten Zwergfledermaus und Wasserfledermaus eruiert und erfreulicherweise sehr gut beobachtet werden. Damit auch die kommenden Generationen diese Flugakrobaten weiterhin bei ihrer nächtlichen Jagd beobachten können, brauchen sie und speziell die Lebensräume entsprechenden Schutz! Mehr zum Schutz und das Leben der einzelnen Arten ist auf der Webseite (www.fledermausschutz.ch) der Stiftung zum Schutze unserer Fledermäuse in der Schweiz (SSF) zu finden. Mit dem Eintritt der Dunkelheit begab man sich dann wieder mit einigen neuen Erkenntnissen und vielen Eindrücken zurück zum Vereinslokal. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren sehr positiv. Diesbezüglich ein herzliches Dankeschön an alle Helferinnen und Helfer und speziell Köbi Moser für die Organisation, sowie Lea Morf für die spannenden Informationen zu den Fledermäusen! RT

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