Ornithologischer Grundkurs 2008
Im Frühling dieses Jahres haben über dreissig Interessierte das Ankommen unserer Zugvögel intensiver erlebt als in anderen Jahren. Es sind die Teilnehmenden des Grundkurses 2008, die unter der Leitung von Daniel Stark an fünf Theorieabenden und sechs Exkursionen ihre Kenntnisse der Vogelarten erweiterten und einiges über Lebensräume, Zugverhalten, Gesang und Vielfalt unserer Vogelwelt erfahren konnten.
Fotos: NVBA
Vom Januar bis im Mai trafen sich die Kursteilnehmenden etwa im Monatsrhythmus jeweils am Dienstagabend im Vereinslokal an der Giessenstrasse zur Theorie und Vorbereitung auf die Exkursion am folgenden Wochenende. Vorkenntnisse wurden keine vorausgesetzt. So war denn die «Grundkursklasse» auch sehr heterogen gemischt. «Blutige Anfänger» und versierte Vogelbeobachter beider Geschlechter und aus drei Generationen versammelten sich und hatten doch sehr viel gemeinsam: Bei jeder und jedem war die hohe Motivation, das Interesse an der Vogelwelt, die Lernbereitschaft und die Freude an der Natur stets spürbar. Dies zeigte sich auch in der Pünktlichkeit und Vollzähligkeit mit der die Teilnehmenden alle Anlässe besuchten.
Vögel am Wasser
Im Januar startete der Kurs noch einfach. Enten, Gänse, Säger, Taucher und Möven haben zwei sympathische Eigenschaften: Sie kommen zuverlässig am Wasser vor und sie halten vor dem Fernrohr schön still. Strahlendes Wetter vervollständigte die Bedingungen, die aus einer gewöhnlichen Vogelexkursion ein unvergessliches Erlebnis machen.
Schon bei der Begrüssung, während dem Einstellen der Feldstecher (Büchi Optik stellte uns ausgezeichnete Testgeräte verschiedener Preisklassen zu Verfügung!) und Spektive liess der Vorbeiflug mehrerer Silberreiher die Herzen höher schlagen. Ohne weit gehen zu müssen liessen sich die Unterschiede der Tauch und Schwimmenten, die Füsse mit Lappen und Flossen, die Grösse der Mittelmeermöve oder die Geschlechterunterschiede der Gänsesäger studieren.
Vogelkonzert im Wald
Am zweiten Abend (März) wurde es musikalisch. Ohne Kenntnisse einiger Vogelstimmen ist die Vielfalt der Arten im Wald nur schwer zu erkennen. Dank Verbildlichungen, Merksätzen und Tonbeispielen gelang es den Teilnehmenden rasch, nicht nur Kuckuck, Zilpzalp und Krähe (die ihren eigenen Namen rufen) zu bestimmen sondern auch die «ABC-Vögel» sicher zu unterscheiden und in der Natur zu erkennen (Amsel: Flötend; Buchfink: «Immer wider zhinderscht isch es Chügeli dra»; Kohlmeise: «Ziit isch da»). Auch Grünfink, Zaunkönig und Rotkehlchen gehören nun zum sicheren Repertoire der meisten Kursbesucher. Auf der Exkursion reagierte der Kleiber dann zuverlässig auf die Imitation des Exkursionsleiter und präsentierte sich der Gruppe ausgiebig.
Vögel im Siedlungsraum
Seit letztem April wissen wieder dreissig Leute mehr, dass die Türkentaube in Affoltern A.a. häufig zu beobachten ist, tatsächlich erst vor rund 60 Jahren aus der Türkei zu uns kam und dreisilbig ruft. Sie können auch Mehl- und Rauchschwalben unterscheiden und wissen, dass die Mauersegler (fast) ihr ganzes Leben in der Luft verbringen und Namen gebend für die Spyre-Bar sind. Und dass der Hausrotschwanz im ersten Jahr sich vor allem durch seinen (kratzenden) Gesang vom Weibchen unterscheidet.
Computereinsatz und Internet
Im Computerraum der Oberstufe Ennetgraben konnte am dritten Theorieabend eine grosse Auswahl von modernsten Lernprogrammen für Anfänger und Fortgeschrittene getestet und ausprobiert werden. Das heutige Software-Angebot erleichtert interessierten Personen sowohl den Einstieg und vertiefte Weiterbildung als auch die Artenbestimmung bei persönlichen Beobachtungen. Eine sehr praktische Hilfe bietet zudem die Internetseite der Vogelwarte, auf der unter anderem alle Seiten des Buches «Vögel der Schweiz» als pdf-download abrufbar sind und Kurzausschnitte der Vogelstimmen abgehört werden können. Besonders hoch im Kurs steht der Vogelstimmentrainer für jedes Niveau auf www.bavarianbirds.de wo sich der Teilnehmer in die Rangliste eintragen lassen kann.
Schwarzmilan und Baumfalken in Rottenschwil
An der Feuchtgebiet-Exkursion in Rottenschwil wurden wir durch spektakuläre Jagdflüge der Baumfalken fasziniert, die genau zum richtigen Zeitpunkt auf der Durchreise waren.
Aber auch die Goldammer hatte uns «ach wie lieb» und machte die Exkursionsleiter um etliche Belohnungsschoggistängeli ärmer, welche für das Auffinden der Individuen ausgesetzt waren. Vor dem Horst der Schwarzmilane hätten einige Beobachter stundenlang ausharren können und die Haubentaucher-Jungtiere auf dem Rücken des Vaters waren ein Publikumsrenner genau wie der Kuckuck, den doch viele schon gehört, aber nur wenige vorher schon gesehen hatten.
Feldlerche und Neuntöter in Obfelden
Ende Mai kam dann endlich der Vogel des Jahres zum Zug: Der Turmfalke hatte bereits auf der Kursausschreibung gerüttelt und erhielt seiner Prominenz entsprechend ein eigenes Kapitel. Auf der Exkursion trumpften jedoch der Neuntöter und die Feldlerche auf, die im Säuliamt leider immer mehr als seltene Spezialitäten gelten. Ältere Kursteilnehmer erinnern sich noch gut daran, das Jubilieren der Feldlerche auf jedem Sonntagsspaziergang gehört zu haben. Ein grosser Dank geht an Monika Zbinden, die uns diese Beobachtungen ermöglichte und uns auf dieser Exkursion auch viel Wissenswertes über Brachen und Ausgleichsflächen weitergeben konnte.
Schlussexkursion am 15. Juni in Bonstetten-Wettswil
Statt eines Abschlussabends im Vereinslokal entschieden sich die Teilnehmer für eine verlockendere Alternative. Von neun bis zwölf Uhr erhielten sie die Gelegenheit, nochmals auf die Vogeljagd zu gehen und sich die selbst entdeckten Arten zu notieren. Vom Bahnhof durch Siedlungsraum und Kulturland, den Weihern entlang und bis zum Autobahndreieck Fildern gab es ununterbrochen etwas zu entdecken. Und auch am letzten Kurstag durften Neuigkeiten erwartet werden: Das Gewöll eines Turmfalken wurde aufgeweicht und unverdaute Nahrungsreste (Zähne der Feldmaus) sichtbar. Besonderer Höhepunkt war sicher auch die Beobachtung der Flussregenpfeifer, die im Baustellengebiet der Autobahn ideale Brutbedingungen finden.
Anschliessend, nun bei leichtem Nieselregen, trafen sich die treuen Kursteilnehmenden zum Picknick am Grill im Garten des Kursleiters und tauschten die Artensammlung des Tages sowie gemeinsame Erinnerungen an die verschiedenen Exkursionen aus.
Mit über dreissig verschiedenen Arten an einer einzigen Exkursion haben die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihr persönliches Kursziel (die Verdoppelung der bestimmbaren Arten) sicher deutlich übertroffen. Herzliche Gratulation!
Danke und auf Wiedersehen
Dass dieser Kurs so erfolgreich durchgeführt werden konnte, ist vor allem den interessierten Kursteilnehmenden zu verdanken. Mit dazu beigetragen haben jedoch auch der Einsatz von Monika Pieren (Organisation), die Hilfe und Begleitung durch die Exkursionsleiter/innen (Roland Füllemann, Margrith Kofler, Monika Zbinden), die Unterstützung bei den Vorbereitungen im Vereinslokal (Alois Zemp, Margrit und Walter Kunz) und nicht zuletzt, die von Büchi Optik zur Verfügung gestellten Feldstecher.
Besonders freut mich, dass einzelne Teilnehmende sich für eine aktive Tätigkeit im Verein entschieden haben und dass wir uns im Frühjahr zu einer Nachexkursion wieder sehen werden.
Daniel Stark